Presseinformationen

Presseinformation Nr. 045 vom 24. März 2017

Roemer-Preis für Psychosomatische Medizin an UMG-Psychokardiologen

Studie zur Bedeutung von Psychotherapie in der Behandlung von depressiven Herzpatienten ausgezeichnet. Deutsches Kollegium für Psychosomatische Medizin verleiht Forschungspreis an Psychokardiologen Prof. Dr. Christoph Herrmann-Lingen.


Prof. Dr. Christoph Herrmann-Lingen, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), ist mit dem Roemer-Preis für Psychosomatische Medizin 2017 des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin (DKPM) ausgezeichnet worden. Honoriert wurde Prof. Herrmann-Lingen als Leiter der SPIRR-CAD-Studiengruppe für die Durchführung und Publikation einer multizentrischen Studie zur Wirkung von Psychotherapie bei depressiven Koronarpatienten. Die Studie wurde gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Die zentralen Ergebnisse der Studie sind erschienen in der amerikanischen Fachzeitschrift „Psychosomatic Medicine“.
Mit dem Roemer-Preis zeichnet die DKPM seit 1976 jährlich die beste Forschungsarbeit aus, die die Integration von psychosomatischen Fragestellungen in die Allgemeinmedizin oder in klinische Fächer der Medizin fördert. Der älteste und renommierte Preis der DKPM ist mit 2.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung des Roemer-Preises 2017 erfolgte im Rahmen des Deutschen Kongresses für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am 23. März 2017 in Berlin.


Verleihung Roemer Preis 2017: (v.l.) Prof. Dr. Christoph Herrmann-Lingen, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin, Universitätsmedizin Göttingen, und Prof. Dr. Stephan Zipfel (Tübingen), Vorsitzender des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin (DKPM). Foto: © K.I.T. Group GmbH | Foto: Dennis Wartenberg


Originalveröffentlichung: Herrmann-Lingen C, Beutel ME, Bosbach A, Deter HC, Fritzsche K, Hellmich M, Jordan J, Jünger J, Ladwig KH, Michal M, Petrowski K, Pieske B, Ronel J, Söllner W, Stöhr A, Weber C, de Zwaan M, Albus C, for the SPIRR-CAD Study Group. A Stepwise Psychotherapy Intervention for Reducing Risk in Coronary Artery Disease (SPIRR-CAD): Results of an Observer-Blinded, Multicenter, Randomized Trial in Depressed Patients With Coronary Artery Disease. Psychosom Med 2016;78:704-715. doi: 10.1097/PSY.0000000000000332.
 

DIE STUDIE
Depressive Verstimmungen verschlechtern die Prognose bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK). Bisherige Studien zu unterschiedlichen Depressionsbehandlungen konnten jedoch bei Herzpatienten nur eine relativ geringe Besserung der Depressivität und keinen prognostischen Nutzen zeigen. Die nun prämierte SPIRR-CAD-Studie wurde von der DFG im Programm Klinische Studien gefördert und ist die größte europäische Studie zur Behandlung depressiver Herzpatienten.


Die Studie bot einer Hälfte der Patienten zusätzlich zur Routinebehandlung eine von der Studiengruppe speziell konzipierte, stufenweise Psychotherapie mit drei Einzelsitzungen und bei Bedarf 25 Doppelstunden Gruppentherapie an. Die Effekte dieses Therapieangebots wurden verglichen mit Ergebnissen von Patienten in der „Kontrollgruppe“, die zusätzlich zur Routinebehandlung eine einzelne Informationssitzung nutzen konnten. An zehn deutschen Zentren wurden 570 Patienten mit KHK und mindestens leichten depressiven Symptomen nach dem Zufallsprinzip einer der beiden Gruppen zugeteilt und über zwei Jahre beobachtet. SPIRR-CAD ist damit weltweit eine der größten Psychotherapiestudien überhaupt. Die Qualität der Psychotherapie wurde regelmäßig zentral überprüft. Hauptzielkriterium war die Besserung der Depressivität nach 18 Monaten.


Ausgezeichnet: Prof. Dr. Christoph Herrmann-Lingen, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin, Universitätsmedizin Göttingen. Foto: privat


Die Depressivität besserte sich in beiden Patientengruppen deutlich. Entgegen der Hypothese war diese Besserung jedoch bei Patienten, die die Studientherapie erhielten, im Durchschnitt nicht signifikant stärker als in der „Kontrollgruppe“. Von der zusätzlichen Psychotherapie profitierten allerdings Patienten mit dem prognostisch ungünstigen Typ D-Persönlichkeitsmuster oder mit einer diagnostizierten depressiven Episode.
Der Roemer-Preis ist benannt nach dem Tübinger Gynäkologen Hans Roemer und wird seit mehr als 30 Jahren durch die Hans-Roemer-Stiftung und das Deutsche Kollegium für Psychosomatische Medizin vergeben. Als preiswürdig befunden werden jährlich herausragende Arbeiten, die wesentliche Fortschritte auf dem Gebiet der Psychosomatik zeigen konnten. Viele namhafte Psychosomatiker der letzten Jahrzehnte waren bisher unter den Preisträgern.


Weitere Informationen unter www.dkpm.de


WEITERE INFORMATIONEN
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Prof. Dr. Christoph Herrmann-Lingen
Telefon 0551 / 39-66707; cherma@gwdg.de



© Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. 0551-39-9959, presse.medizin@med.uni-goettingen.de


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