Presseinformationen

Presseinformation Nr. 001 vom 03. Januar 2017

Renommierter Becht-Forschungspreis für UMG-Kardiologen

Deutsche Stiftung für Herzforschung (DSHF) zeichnet Priv.-Doz. Dr. Karl Toischer für seine Forschung über den Kalziumhaushalt des Herzens aus. Mit 15.000 Euro dotierter August Wilhelm und Lieselotte Becht-Forschungspreis geht nach Göttingen.


(umg) Priv.-Doz. Dr. Karl Toischer, Oberarzt der Klinik für Kardiologie und Pneumologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), ist von der Deutschen Stiftung für Herzforschung (DSHF) mit dem August Wilhelm und Lieselotte Becht-Forschungspreis 2016 geehrt worden. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert. Die Verleihung erfolgte auf dem Herbstkongress der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Berlin. Ausgezeichnet wurde Dr. Toischer für seine Arbeit „Role of sarcoplasmic reticulumcalcium leak in heart failure“ über den Kalziumhaushalt des Herzens. In dieser Arbeit befasst er sich mit den Ursachen von Herzschwäche, die in Verbindung mit gefährlichen Herzrhythmusstörungen stehen können.

Preisübergabe Becht-Preis 2016.
v.l.: Prof. Hellmut Oelert (DSHF), Stifterin Lieselotte Becht und Prof. Gerd Hasenfuß, Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen, der den Preis stellvertretend für Priv.-Doz. Dr. Karl Toischer entgegennahm. Foto: Stefan Erhard

Im Mittelpunkt des prämierten Forschungsprojektes steht eine Störung der für die Kontraktion des Herzmuskels wichtigen Kalziumversorgung. Diese Störung wird durch ein Leck eines zellinternen Kalziumspeichers, dem sogenannten sarko-plasmatischen Retikulum (SR), hervorgerufen. „Kalzium ist im Herzen von zentraler Bedeutung, da es die Kontraktion kontrolliert, aber auch einen Einfluss auf die elektrischen Ströme im Herzen und somit auf Rhythmusstörungen hat“, erläutert Dr. Toischer. Im Verlauf einer Herzschwäche kommt es zu Veränderungen der Kalziumströme, dabei zeigt sich ein Leck des sarkoplasmatischen Retikulums mit Verlust von Kalzium in der Diastole (Füllungsphase des Herzen).

Dieses sogenannte SR-Leck und seine Folgen werden in der Forschung schon seit Langem diskutiert. Seine Bedeutung für den Verlauf der Herzschwäche und das Auftreten gefährlicher Rhythmusstörungen ist bislang jedoch nicht geklärt. Die Arbeitsgruppe um den UMG-Kardiologen untersuchte die Effekte, die eine Hemmung des SR-Lecks auf die Herzschwäche sowie auf die Herzrhythmusstörungen haben kann. Im Mausmodell konnte das Göttinger Forscherteam nun zeigen, dass die dauerhafte Verabreichung des neuen, spezifischen Inhibitors S36 den Kaliziumverlust in den Herzzellen mindert und damit einen Rückgang von Herzrhythmusstörungen in den Herzkammern bewirkt. S36 könnte somit als anti-arrhythmisches Medikament von klinischem Nutzen sein und die Überlebenschance deutlich verbessern.

Preisträger PD Dr. Karl Toischer im Labor.
Priv.-Doz. Dr. Karl Toischer, Oberarzt der Klinik für Kardiologie und Pneumologie der UMG an seinem Arbeitsplatz. Foto: privat

„Ich freue mich außerordentlich über die Auszeichnung von Herrn Dr. Toischer, der mit seinem Team eine großartige Forschungsarbeit hier in Göttingen leistet. Die inzwischen viermalige Auszeichnung von Göttinger Herzforschern mit dem renommierten Forschungspreis ehrt und unterstreicht die wissenschaftliche Expertise an unserem Standort“, sagt Prof. Dr. Gerd Hasenfuß, Direktor der Klinik für Kardiologie und Pneumologie und Vorsitzender des Herzzentrums Göttingen, der den Preis im Beisein der Stifterin Lieselotte Becht stellvertretend für Priv.-Doz. Dr. Toischer entgegennahm.

HERZSCHWÄCHE
In Deutschland werden jährlich mehr als 386.000 Patienten mit Herzschwäche in eine Klinik eingewiesen. Über 45.000 Menschen sterben jedes Jahr an der Erkrankung. Für eine bessere Versorgung von Betroffenen ist die Erforschung des Herzens von zentraler Bedeutung. Das Herz funktioniert wie eine Pumpe, deren Arbeitsphasen in eine Füllungsphase (Diastole) und eine Auswurfphase (Systole) unterschieden werden. Etwa die Hälfte aller Fälle von Herzschwäche beruht auf Störungen der Diastole. Um neue Therapien entwickeln zu können, sind auch Erkenntnisse über Störungen des Kalziumstoffwechsels unverzichtbar.

Tipp: Infos für Patienten und Angehörige zum Thema Herzschwäche und den Möglichkeiten der Diagnose und Therapie bietet der Ratgeber „Das schwache Herz: Diagnose und Therapie der Herzinsuffizienz heute“ der Deutschen Herzstiftung, kostenfrei anzufordern unter www.herzstiftung.de/Herzschwaeche-Therapie.html oder per Telefon unter: 069 955128-400 oder E-Mail unter: bestel-lung@herzstiftung.de.

WEITERE INFORMATIONEN
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Klinik für Kardiologie und Pneumologie
Priv.-Doz. Dr. Karl Toischer, Telefon 0551 / 39-9650
ktoischer@med.uni-goettingen.de



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