Forschungsschwerpunkte HRCG

Behandlungsverfahren der Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) unter Verwendung von Stammzellen

Im HRCG werden Arbeiten mit pluripotenten Stammzellen durchgeführt. Das ist die spermatogoniale Stammzelle, die bereits 2006 erstmals als pluripotente Stammzelle im Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen beschrieben wurde (Guan et al. Nature 2006). Geforscht wird auch an Stammzellen aus Eizellen, die Prof. Dr. Wolfram-Hubertus Zimmermann (Abt. Pharmakologie der UMG) identifiziert hat, und an Stammzellen, die z.B. aus Hautzellen, Blutzellen oder Haarzellen des Menschen gewonnen werden können (induzierte pluripotente Stammzellen). Aus diesen Stammzellen werden Gewebsverbände hergestellt, die dann durch Aufnähen auf das erkrankte Herz eine Verstärkung bedeuten können. Außerdem werden Verfahren entwickelt, bei denen die Zellen direkt in das Herz verabreicht werden können. Immunologische Untersuchungen werden durchgeführt, um die Abstoßung der Stammzellen oder die Tumorbildung durch Stammzellen sicher verhindern zu können.

Behandlung von Herzklappenerkrankungen mit Katheterverfahren

In dieser Disziplin arbeiten Kardiologen und Herzchirurgen eng zusammenarbeiten. Beispiele hierfür sind die Implantation von Aortenklappen und die katheterbasierte Behandlung der Mitralklappeninsuffizienz durch Mitralclips und andere Verfahren.

Behandlung von Herz-Rhythmusstörungen

Herz-Rhythmusstörungen können gehäuft bei der Herzinsuffizienz, aber auch ganz unabhängig davon vorkommen. Bei den Herz-Rhythmusstörungen sollen die krankmachenden Mechanismen erkannt und neue Behandlungsverfahren entwickelt werden. Der Forschergruppe um Prof. Dr. Stefan Luther und Prof. Dr. Eberhard Bodenschatz, beide MPI für Dynamik und Selbstorganisation, sowie Prof. Dr. Markus Zabel, Abteilung Kardiologie und Pneumologie der UMG, ist es gelungen, ein neues Verfahren zur Behandlung lebensbedrohlicher Herzrhythmusstörungen (Kammertachykardien und Kammerflimmern) zu entwickeln. Erstmals konnten die Forscher in vivo (am Tiermodell) zeigen, dass eine Abfolge niedrig-energetischer elektrischer Pulse Vorhofflimmern erfolgreich beenden kann. Dabei kommt die so genannte Niedrig-Energie-Defibrillation mit etwa 84 Prozent weniger Energie aus als die herkömmliche Defibrillation. Mit Hilfe eines Herzkatheters erzeugen die Forscher eine Abfolge von fünf vergleichsweise schwachen elektrischen Pulsen im Herzen. Wenige Sekunden später schlägt das Herz wieder regelmäßig. Für viele Patienten mit implantiertem Cardioverter-Defibrillator (ICD) könnte die neue Technik Schmerzen vermindern, die Erfolgsrate der Behandlung erhöhen und die Batterielebensdauer verlängern und damit die Häufigkeit des chirurgischen Geräteaustausches reduzieren. Die Befunde werden in der Zeitschrift Nature publiziert: Nature, Vol. 475, Issue 7355, 235-239 (2011): Low-energy Control of Electrical Turbulence in the Heart.

Weiterhin werden am Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen gegenwärtig klinische Untersuchungen mit neuen Rhythmusmedikamenten durchgeführt, an deren Entwicklung Wissenschaftler des HRCG in den vergangenen fünf Jahren entscheidend beteiligt waren.