Zusammenfassung des Forschungsprogramms des SFB 1002 (2016-2020)

Herzinsuffizienz ist eine der größten medizinischen und sozioökonomischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Bisher beruhen alle pharmakologischen Behandlungsverfahren, welche Symptome und Prognose verbessern, auf einer globalen Hemmung der neurohumoralen Aktivierung. Wir bezeichnen funktionelle zelluläre und intrazelluläre Einheiten, die mögliche neue Therapietargets darstellen, als modulatorische Einheiten. In der 1. Förderperiode haben wir Mausmodelle der Vorlast und Nachlast entwickelt, um solche modulatorischen Einheiten zu untersuchen, und eine signifikante Anzahl von Behandlungstargets konnten identifiziert werden. Einige dieser Targets befinden sich bereits in der "translationalen Pipeline" hin zu "First in man"-Studien.

Unverändert besteht jedoch ein dringender Bedarf an neuen Therapiestrategien, welche zusätzlich zur neurohumoralen Hemmung wirkungsvoll sind, und der SFB 1002 hat zum Ziel, entsprechende Therapiestrategien zu identifizieren. Auf der Basis der Erkenntnisse der 1. Förderperiode, der zahlreichen Interaktionen zwischen den einzelnen Teilprojekten des SFBs und dem neuen Input von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die kürzlich nach Göttingen rekrutiert werden konnten, haben wir einen neuen Fokus identifiziert, der das Problem des Übergangs (Transition) von der strukturellen Herzkrankheit in die Herzinsuffizienz adressiert. Unsere neuen Strategien, um die Frage zu untersuchen, welche Mechanismen der Transition zugrunde liegen, beinhalten neue Tiermodelle zur Untersuchung von epigenetischen Mechanismen und eine "Transitionsbiobank" mit menschlichen Biomaterialien.

Zwei konzeptionelle Ansatzpunkte nehmen demnach eine Schlüsselrolle für die weitere Entwicklung des aktiven Netzwerkes, bestehend aus Grundlagenwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern und klinischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im SFB 1002 in der kommenden Förderperiode ein: 1. die molekularen Analyse von zellulären und interzellulären Signalwegen in Kardiomyozyten und anderen Herzzellen und 2. eine Fokussierung auf die Transition, die der Entwicklung einer Herzinsuffizienz zugrunde liegt. Beide Aspekte werden von allen Teilprojekten der drei Teilforschungsbereiche bearbeitet: 1) Genregulation, 2) funktionelle Mikrodomänen und 3) Zell-Zell-Interaktion.

Unser Karriere-Entwicklungsprogramm des Heart Research Centers Göttingen und die enge Interaktion des SFBs mit dem thematisch verwandten Graduiertenprogramm (IRTG1816: Phosphorylierung und Redox-abhängige Signalmechanismen im erkrankten Herzen) eröffnen hervorragende Möglichkeiten für die Entwicklung junger Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler.

Die Ergebnisse der ersten Förderperiode, die entwickelte Forschungsinfrastruktur und die Sichtbarkeit der Teilprojektleiter des Sonderforschungsbereichs 1002 im internationalen Feld der molekularen und klinischen Herzforschung wird uns ermöglichen, in Zukunft entscheidend zu der Weiterentwicklung dieses Felds beizutragen.